Bendicht Fivian

Öl auf Baumwolle, 200 x 266 cm Öl auf Baumwolle, 120 x 140 cm Öl auf Baumwolle, 110 x 100 cm

*1940 in Bern, † 2019 in Winterthur


Bio

*1940 in Bern, † 2017 in Winterthur
Mitglied der Künstlergruppe seit 1982, im Vorstand von 1994-2000.

Malerei, Zeichnung, Kinetische Konstruktion, Kunst am Bau. Nach dem Lehrerseminar und vier Unterrichtsjahren im Emmental und im Seeland erstes Atelier. 1964–1968 Zeichenlehrerausbildung an der Kunstgewerbeschule Bern; Atelier an der Kramgasse; inspiriert durch Harald Szeemanns Wirken in der Kunsthalle Bern. Zusammen mit Franz Gertsch, Rolf Iseli, Markus Raetz u. a. gehört er zum Kreis der jungen Berner Künstler; an zahlreichen Ausstellungen der Gruppe 66 beteiligt. 1968/69 Lehrtätigkeit an der experimentellen Klasse F+F, freie Kunst, in Zürich. 1971–1972 Assistent für Gestaltung, Architekturabteilung der ETH Zürich. Im Zuge der Revolte um 1968 malt er nur noch selten, zerstört einen Grossteil seiner Arbeiten. Neuanfang 1975 mit dem Umzug nach Winterthur. 1980 Ateliergemeinschaft mit Renate Bodmer. Erneut Lehrtätigkeit an der Schule für Gestaltung und Kunst Zürich. Regelmässige Aufenthalte auf der Ile-de-Ré bei La Rochelle, Frankreich. U.a. Eidg. Kunststipendium in den frühen Berner Jahren; 1968 Aeschlimann-Corti-Stipendium; 1988 Atelierstipendium Paris des Kt. Zürich, Cité Internationale des Arts; 1995 Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kunststiftung, Winterthur. 2011/2012 Atelier-Stipendium Berlin der Städte Winterthur, St. Gallen und Thun. Vorstandsmitglied des Kunstvereins Winterthur 1984.


Ausstellungen

Mitglied der Künstlergruppe ab 1994


Diverses

kartonschachteln, einkaufstüten, steine, pilze, flaschen ... seit 25 jahren malt bendicht fivian die banalsten gegenstände. das atelier und was er von draussen hereinbringt, liefert ihm stoff genug. zuweilen zieht es ihn auch ins freie, doch bedeutet ihm der berg nicht mehr als der stein, fesselt ihn ein schatten auf dem atelierboden so sehr wie der abendhimmel über dem mont vully. weil er die dinge ihrer spezifischen bedeutung entledigt, gibt es in seiner gegenstandswelt keine hierarchie. das ist auch an seinen „gegenstandsversammlungen“ abzulesen, wo sich natürliches und künstliches, vorgefundenes und eigens hergestelltes, funktionales und dekoratives in der grössten selbstverständlichkeit begegnen. mit ideologie hat diese nivellierung nichts zu tun, geht es fivian doch keineswegs darum, dem unscheinbarem zu würde zu verhelfen. in der tradition von cézanne interessieren ihn die dinge als körper, deren plastizität und stofflichkeit er mit pinsel und farbe auf die fläche zu bringen hat. gleichwohl hat die konzentration auf das naheliegende, alltägliche einen tieferen sinn. dass er die illusion eines plastischen, greifbaren objekts wecken kann, hat er längst bewiesen. nun erfasst er den moment, wo das objekt in erscheinung tritt, das mysterium der verdinglichung, und dafür eignen sich die banalen gegenstände besonders. einem magier vergleichbar und mit sichtlicher lust haucht fivian rohen materialien leben ein. je knapper der aufwand, desto besser. wenn zwei pinselstriche genügen, braucht er nicht drei. was er mit wenigen strichen an die oberfläche bringt, geht allerdings in die tiefe. die dinge tauchen bei ihm aus einem in der sorgfältigen grundierung angelegten untergrund auf und schweben in einem raum, dessen koordinaten sich in der aufgewühlten, zur monochromie tendierenden farbe verlieren.

(caroline kesser)